Bahn verkauft trennenden Damm Dicker Brocken aus dem Weg

Posted on February 6th, 2007 by fspnet.
Categories: Kultur.

Seit Jahrzehnten trennt die Bahnanlage die Universität von der Innenstadt ab. Nach dem Erwerb soll sie eingeebnet werden. Dann kann die geplante Parklandschaft einen fließenden Übergang schaffen

Seit über 20 Jahren ist der Berliner Platz eine Staubwüste mit unansehnlicher Randbebauung. Nach mehreren Auslauf-Anläufen kommt jetzt erstmals Bewegung in die Fläche: Die Entwicklungsgesellschaft Universitätsviertel (EGU) steht unmittelbar vor dem Abschluss der Verhandlungen über den Kauf der Bahngleise, die das Uni-Viertel von der Innenstadt wie ein Wellenbrecher trennen. Nach dem Kauf sollen sie verschwinden.

“Die EGU hatte ihre Mittel verausgabt”, sagt Norbert Schick, CDU-Ratsherr und Planungsexperte seiner Fraktion. “Inzwischen ist sie wieder in der Lage, Entwicklung zu betreiben.” Schick kennt die Hintergründe dafür, dass bislang nichts Sichtbares zwischen Universität und Nordrand der City passierte, sitzt er doch im Aufsichtsrat der EGU.

Um überhaupt mit der Bahn verhandeln zu können, musste die Gesellschaft frisches Geld in die Hand bekommen. Sie erhielt es jüngst durch die Überschreibung des Mega-Grundstücks zwischen Gleisharfe und Friedrich-Ebert-Straße sowie Berliner und Rheinischer Platz wo übrigens ebenfalls ein Kreisverkehr entstehen soll. Diese Fläche lässt sich beleihen und das Darlehen über Grundstücksverkäufe an Investoren wieder zurückzahlen.

Spätestens Anfang des kommenden Jahres soll mit der Gestaltung einer Parklandschaft inklusive eines langgestreckten Teiches begonnen werden. Das Baurecht, in diesen Park eine Reihe von Gebäudekomplexen zu stellen, entsteht zurzeit. “Das Ganze muss in Verbindung mit den Grün-Aktivitäten im Krupp-Gürtel und im Bernetal betrachtet werden”, sagt Rolf Fliß, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Nur so lasse sich die Dynamik erklären, die jetzt in dem Projekt stecke. Fliß gilt als Fahnenträger für den Radverkehr in Essen, und so schwebt ihm auch schon ein Radweg entlang der alten Bahntrasse vor, vorbei am Krupp-Boulevard bis nach Altendorf.

“Der neue Park muss Freizeitqualität und Spielmöglichkeiten besitzen”, verlangt auch Grünen-Planungsexpertin Hiltrud Schmutzler-Jäger.

Die 200 Millionen Euro schwere Investition von Thyssen-Krupp schlägt solche Wellen, dass die Gemeinschaft der Investoren inzwischen aufmerksamer nach Essen blickt. “Es gibt erste Interessenten für das Universitätsviertel”, weiß Schmutzler-Jäger. Sie kann sich am Ende sogar ein Plus für die Stadt vorstellen, falls es der Entwicklungsgesellschaft gelingt, lukrativ zu verhandeln.

Zurzeit gehen die Planungsexperten davon aus, dass der Bau des Parks mit Wasserlandschaft sechs Millionen Euro verschlingen wird. Die der EGU übertragenen Grundstücke sollen etwa acht Millionen Euro wert sein. Doch bekanntlich hängt ein Wert immer von dem Betrag ab, den ein Käufer zu bezahlen bereit ist. “Deshalb kann heute noch keine abschließende Rechnung aufgemacht werden”, sagt die Ratsfrau.

KOMMENTAR
Ob in der Planungswerkstatt oder der Bürgerinitiative - viel ist in der Vergangenheit über das Universitätsviertel nachgedacht worden. Einiges wurde verworfen, weil es nicht machbar schien. Auf jeden Fall aber ist die Idee einer Parkgestaltung mit Wasserflächen und hohem Freizeitwert in den aktuellen Bebaunggsplan eingeflossen.

Dafür ist den frühen Ideengebern zu danken. Zumal sich herausstellt, dass es gerade die Gebiete mit hoher Aufenthaltsqualität sind, die auch das Interesse von Investoren auf sich ziehen.

An der Grün-Gestaltung hängt die brückenschlagende Erwartung, endlich die Uni an die City anzuschließen. Dazu gehört aber auch, dass die Bahnanlage verschwindet. Ihr Kauf und Abriss räumt den dicksten aller Brocken aus dem Weg. fri

waz.de

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